Und wer könnte das nicht verstehen?! Wenn man von Deppendorf in die Mangel genommen wird, dann kann auch dem abgebrühtesten Politprofi ein Patzer unterlaufen. Erst recht einem Newcomer wie Daniel Bahr, gerade mal acht Jahre Bundestagsabgeordneter, erst gut ein Jahr Staatssekretär und erst seit drei Wochen FDP-Landesvorsitzender. Dass so einer Nachwuchshoffnung – unter Druck geraten – schon mal Dinge entweichen können, die man, wenn man in aller Ruhe drüber nachdenkt, lieber nicht gesagt hätte, ist menschlich – allzu menschlich.
Dass Daniel Bahr vor Monaten der CSU vorgehalten hatte, im Streit um die Kopfpauschale „als Wildsau aufgetreten“ zu sein, ist hier nicht Gegenstand der Erörterung. Denn erstens handelte es sich dabei keineswegs um einen Patzer, sondern um eine durchaus erfolgreiche innerparteiliche Profilierung. Zweitens meinte er sowieso nur die CSU, die – drittens – im Vergleich zur Organisation, die er im „Bericht aus Berlin“ ins Visier nahm, eine beinah schon zu vernachlässigende Größe darstellt.
Von Ulrich Deppendorf befragt, ob sich die FDP in einer Existenzkrise befinde, verstieg sich Nachwuchshoffnung Bahr zu diesem flotten Spruch: “Die FDP hat – wie die Kirche – Erfahrung mit der Auferstehung.“ Tatsache! Na, wenn der Junge da mal keinen Ärger bekommt. Es gibt nämlich Dinge, die gehen, und Dinge, die gehen nicht. Und die FDP – mindestens! – mit der Kirche zu vergleichen, geht überhaupt nicht. Als der Prophet Daniel das Gesetz, das die Anbetung von Göttern außer Gott selbst, nicht befolgt hatte, wurde er in die Löwengrube geworfen, die der König selbst versiegelte. Der hatte das überlebt, der Prophet.
Aber ob so etwas heutzutage auch noch gut gehen kann? Hierbei ist zu bedenken, dass Daniel Bahr nicht ganz glaubensfest zu sein scheint. Die Kirche soll Erfahrung mit der Auferstehung haben. So ein Unfug! Auferstanden ist bekanntlich nicht die Kirche, sondern Jesus von Nazareth. Und warum? Weil Christus nicht bereit war, seine Erklärung er sei der Sohn Gottes, zurückzunehmen. Jesus war also tot, und dann stand er wieder auf. Daraus ergeben sich eine Reihe von Fragen:
1. Will Daniel Bahr die FDP mit Jesus Christus vergleichen?
2. Wenn er, wie er den Eindruck erwecken wollte, die FDP „nur“ mit der christlichen Kirche vergleichen wollte: ist dies nicht auch schon Blasphemie?
3. Wann bitteschön soll die Kirche jemals tot gewesen sein?
4. Interessant zu hören, dass auch die FDP schon – mindestens – einmal tot gewesen ist. Wann wiederum soll sich diese wunderschöne Katastrophe zugetragen haben?
5. Ist jemand, der Erfahrungen mit der Auferstehung zu haben vorgibt, doch erkennbar keinen blassen Schimmer von dieser elementaren Frage des Seins und Nicht-Seins hat, überhaupt als Staatssekretär im Gesundheitsministerium tragbar?
Der Prophet Daniel war gar kein richtiger Prophet; denn er hatte niemals direkt mit Gott gesprochen. Sein Werk, also das Buch Daniel, gehört zur apokalyptischen Literatur; es ist voller Metaphern, die auf die geglaubte Endzeit gerichtet sind. Ob Daniel Bahr ein richtiger Prophet ist? Seine Interpretation der Auferstehungslehre lässt Zweifel aufkommen. Sollte aber Daniel Bahr tatsächlich kein richtiger Prophet sein, steigen freilich seine Überlebenschancen für den Fall, dass er nach diesem Patzer im „Bericht aus Berlin“ in die Löwengrube geworfen werden sollte. Der Prophet Daniel hatte ja – wie gesagt – auch keinen Schaden dran genommen.
Und Bahrs Prophezeiung, dass die FDP (abermals?) auferstehen wird, impliziert immerhin, dass sie erst einmal sterben muss. Ein Apokalyptiker, der Prophet Daniel; fest im Endzeitglauben. Da kann der „mächtige“ Landesverband ja froh sein, dass dieses Jahr in NRW nicht gewählt wird. Oder will die FDP die rot-grüne Minderheitsregierung doch noch scheitern lassen? Mein Gott, so hatte ich das bislang noch gar nicht gesehen. Der ist doch prinzipienfest, der Daniel Bahr. Apokalypse Now!














Bahr jeder Zukunft
Der Flamingo hängt unter dem Spitz
Wascht euch die Sünden ab