Rekordscheitern
Seit Bestehen des DFB Pokals ist es noch nie vorgekommen, dass in der ersten Runde sechs Bundesligavereine gegen unterklassige Mannschaften oder gar Amateure ausschieden, wie es in diesem Jahr geschah. Die teilweise vorhandene Rekordhitze in Deutschland tat sein übriges und wurde gerne als Ausrede benutzt, jedoch ist es zu hinterfragen, ob Spitzensportler tatsächlich schlechter mit hitzigen Temperaturen umgehen können als Vertragsamateure bzw. schlechter trainierte Sportler.
Der Esel geht immer voran
Die wohl blamabelste Leistung legte die TSG Hoffenheim am Samstag in Berlin ab. Gegen den Regionalligisten Berliner AK gab es eine derbe 4:0 Klatsche für desolat aufspielende Hoffenheimer, die mit ihren hochkarätigen Neuzugängen angetreten waren und mindestens einen einstelligen Tabellenplatz für die kommende Bundesligasaison als Ziel ausgeben. Mit einer Leistung wie in der ersten DFB-Pokalrunde wird dies aber kaum realisierbar sein und so gab sich TSG Trainer Markus Babbel nach Abpfiff kleinlaut, nachdem er Tage zuvor u.a. die Bayern und Nationaltrainer Löw öffentlich kritisierte. Grüß dich, du gut-bekannter Schuss in den Ofen.
Ein Esel kommt selten allein
Ähnlich eselsgleich trat die Mannschaft des SV Werder Bremen im Pokal auf, wobei der Verein schon vorab für negative Presse sorgte, indem die Werderaner in Wiesenhof ihren neuen, gut zahlenden Trikotsponsor gefunden haben, dem allerdings der Ruf der Tierquälerei nacheilt. Als Konsequenz gab es einige Vereinsaustritte, Dauerkartenrückgaben und zu guter Letzt verhielten sich die Bremer Abwehrspieler im Pokal wie aufgescheuchte Hühner, machten somit ihrem Ärger Luft und die 4:2 Niederlage nach Verlängerung gegen den Drittligisten Preußen Münster perfekt. Hervorzuheben wäre Münsters Stürmer Matthew Taylor, der einen Dreierpack schnürte und die Stadt damit bis in die frühen Morgenstunden tanzen ließ.
Das Pokalaus könnte für die Bremer zusätzlich u.a. bedeuten, dass auf neue Spielereinkäufe verzichtet wird. So war der Transfers eines neuen Stürmer nahezu perfekt, nun überdenkt man jedoch den Kauf des Spielers aufgrund der Mindereinnahmen durch das Ausscheiden. Noch etwas offensiver plante der Hamburger SV, der das Erreichen der dritten Pokalrunde fest im Etat eingeplant hatte und nun bereits ein Minus von ungefähr 1,5 Millionen Euro zu verzeichnen hat. Der HSV schied in Karlsruhe, ebenfalls einem Drittligisten, mit einer 4:2 Pleite aus, steht den Bremer Kollegen in Nichts nach und sorgt damit bereits vor dem Saisonstart für schlechte Stimmung. Glücklicherweise treffen die Hamburger am ersten Spieltag auf ebenfalls stimmungsschwache Pokalversager, nämlich den 1.FC Nürnberg, der es sich nicht nehmen ließ in Havelse mit 3:2 (n.V.) auszuscheiden. Das Kuriose an der Paarung war, dass es bereits vor 21 Jahren zu dem Duell Havelse – Nürnberg kam und selbstverständlich der Außenseiter schon damals gewann, jedoch lediglich im Elfmeterschießen und da der Pokal seine eigenen Gesetze besitzt, war Nürnbergs Scheitern quasi vorprogrammiert, wurde aber dennoch von dem Viertligisten und seinen Anhängern groß gefeiert.
In die Riege der Pokalversager musste sich natürlich auch wieder einmal der Berliner Hauptstadtclub Hertha BSC einreihen, ebenso wie der Bundesliga-Aufsteiger Eintracht Frankfurt. Die Frankfurter gerieten gegen den Zweitligisten Erzgebirge Aue früh in Rückstand, nachdem Eintracht Torhüter Kevin Trapp wegen einer Notbremse mit Rot vom Platz musste und die Gastgeber den fälligen Elfmeter sicher verwandelten. In Unterzahl gelang es den klassenhöheren Hessen nicht, das Ruder trotz guter Gelegenheiten und intakter Moral noch einmal herumzureißen und so verloren sie verdient mit 3:0. Für die Berliner Hertha hingegen wäre eindeutig mehr drin gewesen als eine 2:1 Niederlage, so verpasste es die alte Dame nach frühem Rückstand (Foulelfmeter,3.) ihre guten Chancen nachfolgend in Tore umzumünzen und für immerhin etwas Aufbruchstimmung nach dem durchwachsenem Saisonstart (2 Spiele, 1 Punkt) zu sorgen.
Es ist nicht alles Esel
Glücklicherweise spielten die meisten Bundesligisten ihrem Niveau respektive Anspruch entsprechend und gelangen leichtfüßig oder teilweise auch mühsam in Runde 2 und ersparen den Zuschauern somit unterklassige Duelle. Hervorzuheben wären hierbei die Bundesligisten Stuttgart, Schalke, Wolfsburg, Hannover und 1860 München, die ihre Spiele allesamt mit fünf Toren Unterschied für sich entscheiden konnten. Die Titelanwärter Borussia Dortmund und Bayern München gaben sich ebenfalls keine Blöße und fuhren souveräne Siege ein. Die Dortmunder gewannen 0:3 gegen sichtlich erfreute Kicker vom FC Oberneuland, wohingegen die Bayern den Traum der Pokalsensation der Regensburger am Montagabend im „Topspiel“ mit einem 0:4 zerstörten.
Ergebnisse DFB Pokal Runde 1 (kicker.de)













