Thomas D war in der Casting-Show ‚Unser Star für Baku’ der verantwortliche Jurypräsident und hat Roman Lobs Wettbewerbsbeitrag Standing Still produziert.
Er begleitet ihn auch nach Baku, aber bereits im Vorfeld hat Thomas D mehrmals deutlich auf die Menschenrechtsproblematik in Aserbaidschan aufmerksam gemacht.
Am Rande des deutschen Botschaftsempfangs sprachen wir am vergangenen Mittwoch für den Vorwärts mit Thomas D
Bild: Meike Vollmar
Interview:
Vorwärts:
Thomas, die deutsche Delegation ist ja nun schon seit einigen Tagen hier in Baku. Wie sind Deine Eindrücke hier vor Ort?
Thomas D:
Wir haben schon einiges gemacht: Stadtrundfahrten, zwei Sightseeing-Touren, bei denen wir auch so ein bisschen von den Hintergründen erfahren konnten. Wenn die Fremdenführer von der Geschichte des Landes berichten, dann versteht man doch viel eher die Umstände, in denen sich dieses Land befindet – ich meine das nicht nur geographisch, sondern vor allem auch, was seine Entwicklung angeht. Das fand ich sehr spannend!
Als Deutsche sind wir ja schon auch mit Vorurteilen angereist – bedingt durch die Medienberichte. Und einiges davon muss man korrigieren, wenn man hier ist. Natürlich kann man sich in sechs Tagen keinen umfassenden Blick verschaffen, aber trotzdem: die Stimmung im Team ist sehr gut; wir sind alle sehr entspannt; wir verstehen uns alle super; Roman ist gut drauf und wir schauen mit freudiger Erregung auf den Samstag.
Du hattest ja im Vorfeld so ein bisschen den Part übernommen, in der Menschenrechtsdiskussion und in Fragen zur politischen Lage Aserbaidschans Roman zu entlasten. War das so abgesprochen oder war es dein Bedürfnis, Dich da vorher zu engagieren?
Ja, ich bin ja schon länger aktiv: der Bereich der Tiere liegt mir sehr am Herzen, die Natur und der Mensch natürlich; die Welt liegt mir am Herzen und dann sage ich auch meine Meinung zu solchen Themen.
Generell finde ich natürlich, dass man vor allem den Roman da schwer dazu befragen kann: der Mann ist Industriemechaniker gewesen, bis vor kurzem. Das ist sein erstes Mal, dass er außerhalb von – ich glaube: Mallorca im Ausland unterwegs ist. Ihn zu der Situation der Menschenrechte zu befragen, das ist fehl am Platze, glaube ich.
Ich versuche natürlich, mir da ein Bild zu machen, mir eine Meinung zu bilden. Und als ich dann erfahren habe, dass wir hier von 14 Gefangenen sprechen und wir zum Beispiel in China jährlich 4000 Hinrichtungen haben - also 12 bis 14 am Tag - dann relativiert sich das ganze schon noch einmal. Natürlich ist das hier ein viel kleineres Land usw. Aber wie gesagt: die politischen Hintergründe von 70 Jahren Sowjetregime und der gewaltsamen Befreiung, die erst vor 21 Jahren stattfand, muss man mit berücksichtigen. Und wenn man sich die umliegenden Staaten anschaut, dann haben wir hier in Aserbaidschan immerhin ein freies Internet, wir haben Gleichberechtigung der Frauen, wir haben Religionsfreiheit, obwohl 90 % - glaube ich - der Bevölkerung islamisch sind.
Also es ist hier was im Gange und es bewegt sich was. Und dann gibt es eben noch Bereiche, in denen das Land aufholen muss, wie eben bei den Menschenrechten. Deshalb ist es sehr gut, dass es nun diesen internationalen Blick darauf gibt und wir darüber sprechen.
Aber es ist auch eine etwas arrogante Haltung von uns, zu sagen: „ Ey, hör mal, alle müssen so sein wie wir“ - diesen Job haben doch bisher die Amerikaner…
Du meinst als Weltpolizei?
Ja, genau dorthin sollten wir uns nicht entwickeln. Ich finde es gut, dass wir über solche Sachen sprechen. Ich finde nur, wenn manchmal bereits die erste Frage immer direkt zu den Menschenrechten gestellt wird, dann geht das am Inhalt, das heißt am Zweck unserer Reise vorbei - das finde ich dann schade. Denn es geht um Musik, es geht hauptsächlich um Roman Lob, seinen Beitrag, es geht um Standing Still und um den ESC.
Der ESC ist ein Treffen der Völker und der unterschiedlichen Nationen und er bringt dieses Familiengefühl…
Ich bin ja das erste Mal bei so etwas dabei – ich finde das toll.
Wie intensiv ist dieses Familiengefühl? Kommt man als Delegation denn tatsächlich in Kontakt mit anderen Delegationen und tauscht man sich aus, entsteht da etwas oder…?
Du hast natürlich die Sprachbarriere. Aber die meisten einigen sich auf Englisch.
Allein der Abend des Eröffnungsempfangs! Wir haben uns ja alle auf einem Parkplatz getroffen, auf dem dann die ganzen Delegationsbusse warteten, um einzeln vor dem Roten Teppich vorfahren zu können. Da gehen dann die Türen auf und es kommen die durchgeknalltesten, unterschiedlichsten, buntesten Menschen raus - das fand ich toll: die Omas, Jedward, die heiße Griechin und zwischendrin irgendwie noch der Roman. Alle mischen sich da bunt und sprechen miteinander und da beginnt schon ein Austausch (…) Und man trifft sich auch abends auf Partys und redet miteinander. Also durchaus Austausch in diesem Rahmen. (…) Vor allem fühlt es sich nicht so an, als ob wir gegeneinander singen - überhaupt nicht -, sondern es ist ein Miteinander, ein Wettbewerb, eine Veranstaltung, die wir alle zusammen bestreiten. Das ist genau das Gefühl, da ist jetzt keiner irgendwie im Vorfeld neidisch auf den anderen - außer vielleicht Ralph Siegel. [lacht]
Eine Sache interessiert uns noch: wird es beim deutschen Vorentscheid ‚Unser Star für…’ nächstes Jahr wieder eine Blitztabelle geben?
Ich weiß noch nicht mal, ob ich nächstes Jahr mit dabei bin. Ich bin noch nicht angefragt.
Ist die Tabelle denn diskutiert worden?
Die Blitztabelle? Wir sind zu ihr gestanden bis ins Finale und ich denke, wenn man die Sendung wiederholt - und ich denke, es wird diese Sendung wieder geben – dann gibt es viele Ansätze, was man neu machen muss oder sollte oder was man es nicht lieber bei, wie es war…Es gibt ja eh schon diesen Overflow an Castingshows und da zu versuchen, das Ganze wieder neu zu erfinden, das halte ich auch für bedenklich.
Ich war ein Fan der Blitztabelle. Und ich weiß auch, dass sie gefährlich ist. Aber eh sie hat den Roman nicht davon abgehalten zu gewinnen und das zeugt umso mehr von seinem Talent.
Thomas, vielen Dank für dieses Gespräch und viel Erfolg am Samstag.
Nachtrag: Wir sprachen am 23.5. mit Thomas D. Gestern veröffentlichte der Spiegel Gerüchte, wonach die ARD und Pro 7 ihre Zusammenarbeit beim Casting für den Song Contest im nächsten Jahr nicht mehr fortsetzen wollen. Schuld seinen die für Pro 7 extrem schlechten Quoten von ‚Unser Star für Baku’ in diesem Jahr. Entschieden solle jedoch erst nach dem heutigen Abend werden.
ARD Unterhaltungschef Thomas Schreiber wird dazu zitiert: "Da hat wohl jemand Spaß am Zündeln und versorgt pünktlich zum ESC-Finale in Baku den 'Spiegel' mit scheinbar exklusiven Informationen, um ein bisschen für Unruhe zu sorgen." Nach dem ESC würden alle Beteiligten "unter Berücksichtigung des Ergebnisses von Baku" besprechen, in welcher Form der deutsche Teilnehmer des ESC 2013 gesucht werde.













