Zum Glück sendet die Liga auch während der Zeit der vermeintlichen Untätigkeit immer wieder Lebenszeichen, die sowohl von Fans als auch von der Boulevardpresse nur allzu gerne wahrgenommen werden. Vor allem drei Themen erhellten in dieser Winterpause die Fandunkelheit: Kindertransfers, die Wahl der Trainingslager und Felix Magath - aber der Reihe nach.
Trainingslager in Dubai, Belek und Hoffenheim
Um der Kälte des deutschen Winters zu entfliehen (und was hatten wir für arktische Temperaturen von zwischen 5 und 10 Grad Celsius), brechen die meisten Vereine zur intensiven Rückrundenvorbereitung in wärmere Gefilde auf. Die Bayern oder auch der VfL Wolfsburg haben sich gar nicht erst lumpen lassen und sind direkt in die diversen Scheichtümer nach Katar und Dubai gereist. Der FC Schalke wollte auch nach Doha im Katar und sorgte damit für den ersten Aufreger. In Doha gäbe es keine vernünftigen Trainingsplätze für die Knappen hieß es in den Medien, denn dort würde nicht nur der FC Bayern residieren, sondern parallel ein bedeutendes Nachwuchsturnier ausgetragen. "Alles Quatsch" erwiderte Manager Horst Held und sollte Recht behalten. Trainingsplätze haben die Gelsenkirchener gefunden allerdings verloren sie ihre "Sechser". Anders kann ich die Aussage von Trainer Huub Steven jedenfalls nicht deuten, der nach dem Doha-Trip zu Protokoll gab, dass die Bedingungen sehr gut gewesen seien, man nun aber verstärkt auf dem Transfermarkt nach einem "Sechser" suchen müsse. Vielleicht - aber das ist nur eine Theorie - ging ein Sechser verloren, als es im Testspiel gegen eine Auswahl aus dem Katar zu einem Sandsturm kam, der letztlich zu einem Spielabbruch in der 77. Minute führte...
Ganz kontraproduktiv verlief die Vorbereitung im türkischen Belek. Nach starken Unwettern mit Platzregen und Sturmböen mussten die ersten geplanten Testspiele ausfallen, zudem gab statt Arbeit auf dem Trainingsplatz Ausdauerläufe, weil die Grünflächen nicht bespielbar waren. Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen für die ambitionierten Mannschaften aus Bremen und Mönchengladbach, die dort zur Vorbereitung weilten.
Felix Magath
Zugegeben, Wintertransfers sind nichts Ungewöhnliches, Felix Magath jedoch scheint endgültig die Kontrolle über das Spielerkarussell verloren zu haben. Ganze acht, zum Teil hochwertige Neuzugänge verpflichtete der ehemalige Trainerfuchs bislang (und das Transferfenster ist noch bis zum 31.1.2012 geöffnet), wenn das mal kein Vertrauensbeweis für seine Mannschaft ist. Außer auf der Torwartposition sieht er offensichtlich in allen Mannschaftsteilen und in allen Bereichen Nachbesserungsbedarf, aber führt das nicht eigentlich seine eigene Arbeit ad absurdum? Es tut mir leid, aber rational ist das eigentlich nicht zu erklären, es sei den Wolfsburg plant eine Umbenennung in den "VfL Hollywood", aber dann wäre es gut, wenn im Winter vielleicht doch noch Michael Ballack, Thorsten Frings und vor allem David Beckham verpflichtet werden könnten. Und jetzt mal ehrlich, ist die festgelegte Ablösesumme für Lionel Messi und Christiano Ronaldo nicht eigentlich auch stemmbar? Für die Torwartposition hätte ich dann auch noch eine Idee: Eike Immel! Der kennt sich dank dem "Dschungelcamp" auch bestens mit unwegsamen Situationen und Kamerabegleitung rund um die Uhr aus.
Kinderhandel?
Ähnliches Gebiet aber anderes Thema. Zwei Transferaktionen sorgten für einen besonderen Aufschrei. Die TSG Hoffenheim verpflichtete den 13-jährigen Nico Franke, der nun aus Berlin in den Kraichgau zieht, also mal eben knappe 650 Kilometer entfernt von Familie und Freunden. Auch der VfL Wolfsburg war in dieser Hinsicht aktiv und lotste den ebenfalls 13 Jahre alten Alexander Laukart vom Millerntor in die Hauptstadt, was zugegebener Maßen wenigstens nicht ganz so weit weg ist. Die Frage die sich nun stellt lautet, ob derartiges Vorgehen unmoralisch ist. Ich für meinen Teil muss diese Frage mit "Ja" beantworten, lasse dabei aber sportliche Aspekte ganz außen vor. Ich bin von Hause aus Diplom-Pädagoge und halte dieses Handeln aus zwei Gründen für schlecht.
Erstens kann bei aller Liebe ein 13-jähriger nicht selbstständig genug sein, um diese Entscheidung selbst zu fällen. Dementsprechend erzürnen mich Aussagen, dass die Jugendlichen aus eigenem Antrieb so entscheiden hätten. Es kann unter keinen Umständen gut sein, in diesem Alter von wichtigen Bezugspersonen wie insbesondere Eltern, Geschwistern aber auch besten Freunden getrennt zu werden. Die entstehende Leere mag zwar kurzzeitig durch den Spaß am Fußball und den Glauben an die nun bereits beginnende Berühmtheit und Karriere gefüllt werden, dieses ist aber ein großes Luftschloss. Der Fußball ist so unberechenbar, eine Karriere so wenig planbar, dass Garantien einfach nicht ausgestellt werden können. Was passiert wenn Verletzungen, plötzliche Wachstumsschübe oder erste Freundinnen plötzlich den Weg zum Bundesligaspieler verbauen? Für diese Unsicherheit ist der Preis zu hoch seine Kindheit mit 13 oder 14 zu beenden.
Zweitens scheint es mehr als fraglich, ob die eben erwähnte Freude am Spiel erhalten bleiben kann, wenn der Druck sich erst mal voll ausgebreitet hat. Einen Dreizehnjährigen abzuwerben ruft ein lautes mediales Echo hervor, viele Menschen kennen die Jungs nun und werden sie sehr argwöhnisch beäugen. In den neuen Mannschaften wird bald die Frage aufkommen, warum dieser oder jener Spieler den unbedingt gekauft werden musste, die gleichen Mechanismen wie im Erwachsenensport greifen dabei. Und das soll ein (vor-)pubertierender Teenager aushalten, so reif soll der schon sein?
Ich will nicht ein Plädoyer dafür halten, dass es unmöglich ist, dass aus solchen Jungs etwas werden kann, denn wie bereits beschrieben, es gibt keine Planungssicherheit, in keiner Richtung (daran ändern auch die besten Sportakademien nichts). Trotzdem kann ich so etwas nicht gut heißen. Was ich bei den oben benannten Fällen übrigens besonders schlimm finde, ist dass sie aus großen Vereinen kommen oder zumindest aus einem Gebiet wo es gute Mannschaften gibt, es also aus sportlicher Sicht nicht nötig ist, den Verein zu wechseln, um dem vermeintlichen Ziel Bundesligaprofi näher zu sein.
"Kindertransfers" ist jedenfalls jetzt schon ein Unwort - ich bin für eine Reglementierung, die nicht nur mit sportlichen Schwerpunkten begründet sein sollte.













