Es ist zu begrüßen, wenn über den Ablauf im politischen Alltag, über das Verhältnis zwischen den Bürgern und den politischen Akteuren, über Missstände in den Parteihierarchien gesprochen wird. Denn im Laufe der Jahrzehnte hat sich in unsere Demokratie, manches Ungereimte und vieles Missverständliches eingeschlichen. Doch ist das Auftreten der Piraten, ihre Existenz , ihre Forderungen und Ansichten so gravierend oder epochal, dass man seitenweise darüber berichten muss, dass sich landauf und landab die Journaille oder die Strategen der institutionellen Parteien damit beschäftigen müssen ?
Wer im Internet auf den Seiten der Piraten ihr „Programm von A bis Z“ liest, findet ausser einigem Ungereimten, Meinungen und Aussagen, die in den anderen Parteien, zumindest bei deren Jugendorganisationen, in ähnlicher Art diskutiert und bekundet werden. Das Ungereimte ist aber der mangelnden Erfahrung der Piratenpolitiker geschuldet, ihre Umsetzung ist, so wie vorgetragen, nicht realisierbar und ist kaum als systemrelevante Politikentscheidung anzusehen. Auf jeden Fall sind mit den Vorstellungen der Piraten, die erforderlichen umfassenden Veränderungen unserer Wirtschafts- und Sozialsysteme nicht befriedigend zu lösen. Also nichts Neues durch die Piraten ! Die SPD sollte selbstbewusster sein ! Sich ihrer Stärken in einer nun fast 150-jährigen Geschichte, ihres weiten und vielfälltigen Spektrum. politischen Handelns und politischer Erfolge bewusst sein.
Andere politische Vorstellungen mögen plötzlich für Furore sorgen, die Kontinuität der sozialdemokratischer Politik, ist und bleibt der Garant einer funktionierenden Demokratie. Gerade in den letzten Tagen erleben wir doch, dass sogenannte politisch linke Kräfte, die meinten die SPD links überholen zu wollen, auf den Boden der Tatsachen zurück gestutzt werden, dass die Wähler, die den Parolen der Linken folgten, sich wieder daran erinnern, dass die SPD ihre Heimat, ihre Wurzel ist und sie zu dieser SPD zurück finden.
Die Jugend ist der Motor für gesellschaftliche Veränderungen.
Unbestritten ist es jedoch, will man die Zukunft gestalten, darf man sich nicht nach dem Gewohnheiten von heute orientieren. Man muss losgelöst denken und handeln, wenn man Neues entwickeln will. Alles andere wäre nur eine Weiterentwicklung des Bestehenden, ein Reförmchen und keine Reform ! In dieser Hinsicht haben die Piraten Recht, aber nicht nur sie denken über die Zukunft nach, auch die Älteren in der SPD, in der AG60plus. Sie wissen, um die Zukunft zu gestalten, müssen wir nicht das Morgen im Auge behalten, nein, das Übermorgen, das Überübermorgen ist die Zukunft unserer Enkel und Urenkel ! Nicht die Ticket freie Benutzung des ÖPVN ist wichtig, sondern die Frage, wie können sie, unsere Enkel und Urenkel, trotz geringerem Wachstum, geringerem Wohlstand, sich einen gewissen Grad an Lebensqualität erhalten !
Wir haben erhebliche Zukunftsprobleme, die besonders die jungen Menschen belasten, sie ängstigt, sie pessimistisch sein lässt. Aber wer ängstlich ist und verzagt, wird sein Leben lang erfolglos sein. Nur dem Mutigen, dem Entschlossenen, dem Durchsetzungsfreudigen gehört die Welt, nur er meistert die Zukunft. Darum können, ja müssen jungen Menschen, die Probleme die vor ihnen liegen, ohne Vorbelastung durch ein Neues Denken meistern !
Unsere ganzen Sozialsysteme sind in der Vorstufe des Kollabierens, das heisst, sie werden unter Umständen zusammenbrechen, da Solidarität in unserer Gesellschaft fast ein Fremdwort geworden ist. Das „Ich“-Denken, das Streben nur nach dem eigenen Vorteil, zum Teil auf Kosten der Schwächeren oder der Gemeinschaft, beherrscht unsere Gesellschaft. Mag der Andere doch verrecken, er hat doch selber Schuld, das ist die Devise des Neoliberalismus Chicagoer Schule ! Positions- und Postengerangel mit allen feinen oder unfeinen Tricks, das ist heute üblich und wird von den Verantwortlichen gelobt und gefördert. Nicht Können, sondern Durchsetzungsbestrebungen auf Kosten der Untergebenen oder des gesamten Betriebes, nur zum eigenen finanziellen Vorteil, das sind hochgelobte und oft prämierte Eigenschaften moderne Manager. Geht die Firma auch bankrott, Hauptsache ich bekomme meine Boni und eine satte Abfindung. Verantwortungsbewusstsein der Gesellschaft gegenüber, --- Fehlanzeige !
So aber geht unsere Gesellschaft kaputt, zerbricht letztendlich unsere Demokratie ! Darum muss ein Neues Denken entstehen, dass diese Auswüchse des neoliberalen, kapitalistischen Wirtschaftsdenkens überwindet. Neues Denken, das heisst ganz neue, ja revolutionäre Wege zu gehen. Die Jugend ist schon immer leicht revolutionär eingestellt gewesen, ohne dieses revolutionäre Denken der Jugend, wäre unsere gesellschaftliche Entwicklung, zu einer noch sozial orientierter Demokratie, nicht möglich gewesen und wir würden noch im Zeitalter des Absolutismus leben.
Es ist also legitim und richtig, wenn junge Menschen Ideen entwickeln. Selbst wenn diese utopische Züge beinhalten, sie werden sich den Sachzwängen der Umsetzbarkeit, der Praktikabilität anpassen, damit sie realisierbar werden. Aber solche neuen Ideen mal zu denken, das darf man doch wohl ! Wer was verändern will, muss auch mal unbequem werden. Der sich immer nur anpasst, immer nur mitschwimmt, der wird nichts verändern, der wird keine Zeichen setzen. Lieber einmal mit seinen Ansichten, seiner Meinungen daneben liegen, als gar keine Meinungen zu haben!
Dieses Motto sollte man den jungen Menschen mit auf den Weg geben, man sollte sie unterstützen und fördern. Aber nicht nur die Piraten, sie sind nur eine der politischen Gruppierungen, auch all die anderen Jugendorganisationen in den Parteien und Gewerkschaften, wie zum Beispiel die AG der Jusos in der SPD, engagieren sich für die Zukunft der Demokratie ! Nur die eine, die Piraten medienwirksam herauszustellen ist undemokratisch.
In diesem Sinne.
Heinrich Keuper
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