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...und schon wieder "Bier und Gelb"

Björn Rosigkeit • 23. April 2012

Björn Rosigkeit
Schon wieder Ausnahmezustand in Dortmund - dank Bremen habe ich es nachmittags aber noch sicher nach Hause geschafft.

Prolog: Freitagabend, eine lange Arbeitswoche geht zu Ende und wird gemeinsam mit einigen Kollegen gemütlich, aber nachdrücklich, Revue passieren gelassen. Die für den nächsten Morgen mit der Partnerin abgeschlossenen Vereinbarungen können aufgrund von starken Kopfschmerzen und einem ausdauernden Schlaf bis 13.30 Uhr nicht eingehalten werden (fühlt sich ein bisschen an wie Studentenzeit). Gegen 15 Uhr folgt die Frage, ob man wenigstens mit zum Einkaufsbummel durch den Indupark kommt. Geistige Umnachtung und ein leicht schlechtes Gewissen sorgen für eine Bejahung dieser Frage.

Beginn Haupttext: Gegen 16 Uhr fuhr ich am Samstag von meinem Wohnort Hörde nach Oespel zum Einkaufen. Erst als ich im Auto eingestiegen war, wurde mir bewusst, was ich da eigentlich tue, denn mit dem Erklingen des Radios und der WDR-Bundesligakonferenz fiel mir ein, dass just heute Borussia Dortmund zum deutschen Fußballmeister werden könnte. Besonderes Schmankerl dabei, das Westfalenstadion liegt genau in der Mitte zwischen Hörde und Oespel. Bei der Verlesung der Halbzeitergebnisse wurde mir dann noch bewusst, dass die Chance ziemlich groß ist, dass Dortmund schon vor dem Anpfiff des eigenen Spiels Grund zum Feiern haben könnte, wenn München nämlich in Bremen nicht gewonnen hätte (und danach sah es eigentlich die ganze Spieldauer über aus). Nun ja, die Straßen waren natürlich ziemlich voll und die schwarz-gelben Farben überwogen deutlich. Unsere Reisegeschwindigkeit hielt sich in Grenzen, eine gewisse Spannung lag in der Luft, ein Verkehrskollaps blieb aber vorerst aus. Pünktlich zu Beginn der zweiten Halbzeit waren wir am Ziel unseres Ausfluges angekommen und meine Motivation mich vom Radio wegzubewegen, um Kartoffeln und Fisch zu kaufen hielt sich arg in Grenzen. Aus dem gemütlichen Bummel wurde dann auch eher ein Galopp, alles in den Wagen reingeworfen, was irgendwie im Haushalt fehlen könnte und ab zum Bezahlen. Pünktlich um Fünf, saß ich wieder vor dem Radio ("Ne, Media Markt will ich nich rein, Kuchen habe ich keine Lust drauf, lass uns nach Hause fahren.") und hörte als erstes folgenden Ruf: "Toooooooor in Bremen!" Ich frohlockte. "Naldo machts." Unglaublich, zwei Fliegen mit einer Klappe für mich, Bremen gewinnt und kommt auf einen Euro-League-Platz und Dortmund ist jetzt schon Meister. "Welch Tragik, ein völlig unbedrängtes Eigentor des Bremer Verteidigers." Ich breche auf dem Beifahrersitz zusammen. "1:1 im Weserstadion" Immerhin, dann wird wenigstens der BVB trotzdem jetzt schon Meister und die Rückfahrt ein Highlight.

Die Straßen waren immer noch voll und die Spannung noch greifbarer als zuvor. An den Bushaltestellen drängten sich die Menschen um den einen Typen, der doch tatsächlich ein Transistorradio dabei hat. Liveticker via Handystreams wurden pausenlos aktualisiert und die Stadt hielt beinahe den Atem an. Dann die 91. Minute. Wieder eine Meldung aus Bremen, wieder ein Tor, wieder nicht Bremen. Aufstöhnen im Auto, Ernüchterung auf den Bürgersteigen und an den Bus- und Bahnhaltestellen. Der weitere Weg nach Hause verlief unspektakulär, stetiges Lamentieren von der Beifahrerseite wurde durch meine Freundin überhört, denn eine Erkenntnis blieb ganz Dortmund - dann werden wir halt heute Abend Meister.

Epilog: Und so sollte es dann tatsächlich kommen. Die andere Borussia aus Mönchengladbach wurde vom "gelben Fieber" (Zitat aus der internationalen Presse) einfach überrannt. Durch ein 2:0 sicherte sich der BVB den Meistertitel aus eigener Kraft, was im Prinzip ein schönerer Feieranlass, als der kampflose Gewinn ist. Spätestens nach dem Abpfiff hatte Dortmund ein amtliches Verkehrschaos, angeblich gab es einige Ortsfremde, die sich aufgrund der verstopften Straßen in den Einbahnstraßen der Innenstadt hoffnungslos verfranzt haben...  Einen klugen Gedanken hatte übrigens das ansässige Ordnungsamt, so bestand im Innenstadtbereich ein Glasverbot, am Sonntagmorgen besaß die Stadt zwar einen mehrere Zentimeter dicken Plastikteppich, aber dieser ließ sich mit dem Rest der Meistereuphorie schnell beseitigen. Angeblich trällerten die in schwarz und gelb gekleideten Entsorger beim Aufräumen das Lied: "Und schon wieder Deutscher Meister BVB..."

 

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