Heutzutage führen verliebte Mütter sorgfältig Tagebuch über die frühen Ausstrahlungen des unverkennbaren Genies ihres Lieblings, Der arglose Besucher freut sich an der natürlichen Aufgewecktheit des spielenden Kin-des und bekommt plötzlich zu Kaffee und Kuchen eine Sturzflut noch nicht dagewesener Beobachtungen, Randbemerkungen, kritischer Betrachtun-gen, psychologischer Finessen, dazu stoßweise Zeichnungen, Gedichte und sonstige Wunderwerke des kleinen Phänomens serviert.
Man glaubt dann wirklich, den großen Philosophen, Dichter, Maler oder Reformator der künftigen Menschheit vor sich zu sehen und lässt sich erst nach genosse-ner Gastfreundschaft auf dem Nachhauseweg von dem Gedanken ernüch-tern, dass, seit das Buchführen über die geistigen Emanationen der Kinder in Mode geraten ist, reichlich viele latente Genies auf den Tummelplätzen der öffentlichen Anlagen aus Sand Kuchen backen.
Eine gute Beschreibung. Man muss nur wissen: Sie ist 100 Jahre alt und stammt von Erich Mühsam, Schriftsteller, Anarchist, Revolutionär.
Aber wie man sieht, eine Revolution hat nicht stattgefunden.













