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Ranschmeißer im Interview

Werner Loewe • 21. September 2005

Werner Loewe

Ein besonders hübsches Beispiel journalistischer Ranschmeiße gab es am Wahlabend im ZDF zu besichtigen, als Peter Hahne im ZDF sich Angela Merkel auf den rauchenden Trümmern ihrer Kampagne devot mit "Frau Bundeskanzlerin" näherte. Kommt es nicht ganz so drastisch daher, fällt es inzwischen kaum noch auf:

Fragt die Welt vom 20. September den niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff:

"Sie sind der populärste deutsche Politiker. Treten Sie bei der nächsten Bundestagswahl als Kandidat an?" Sie sind? Woher nimmt das Blatt diese eherne Erkenntnis? Aus den Meinungsumfragen? Deren Treffsicherheit gerade unter Beweis gestellt wurde? Oder einfach nur so mit fester Stimme daherbehauptet? Hätte es nicht handwerklich sauber "Sie gelten als..." auch getan?

Heiter stimmt aber die Antwort. Wulff: "Es ist einfach sinnvoll, dass die Kanzlerin, die jetzt ins Amt kommt, auch 2009 wieder kandidiert. Im übrigen ist mein Platz in Hannover, da will ich lange Ministerpräsident bleiben. Also doppelte Verneinung."

Doppelte Verneinung? Wie war das denn noch damit in der deutschen Sprache? Das Internet gibt Auskunft: Mundartlich zum Beispiel in Bayern noch üblich, gelte es im Hochdeutschen als veraltet. Durch den Einfluss der Logik werde heute die doppelte Verneinung in logischer Form, das heißt als Bejahung aufgefasst. Das Internet belehrt uns weiter: " Manchmal wird die doppelte Verneinung auch zur Verwirrung und wegen des komischen Effektes verwendet." Beispiel: " Das ist nicht undumm." In der Tat, das ist es nicht.

Was will uns Wulff also mit seiner "doppelten Verneinung" sagen? "Ich trete an?""Schaffen wir ein wenig Verwirrung?" Um diese komplett zu machen, zitiert die Berliner Zeitung heute noch einmal das vernichtende Urteil Wulffs über Merkel von 2001 :"So kann man eine Partei nicht führen." Mit dieser Einschätzung ist er unter den CDU-Minsterpräsidenten ja auch im Wahlkampf keineswegs allein geblieben. Wer solche Parteifreunde hat, braucht sich nicht um seine Feinde zu sorgen.

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